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Als nach dem Krieg auch im Osten auch der Sport wieder auferstand, war alles erlaubt, was Spaß machte und begeisterte, selbst Profiboxen. Ferdinand Karger, Umsiedler aus Schlesien und gelernter Eis- und Rasenhockeytorwart, setzte seine Karriere in seiner neuen Heimat Erfurt fort. Auf Spritzeis spielte er für Erfurt und Oberhof, bevor 1958 auch in Erfurt goldene Eiszeiten anbrechen sollten - das Kunsteisstadion war fertig. Die Arbeiter- und Bauernmacht tat was für ihre Bürger, aber schon damals nicht ohne Hintergedanken:
"In Städten mit Kunsteisbahnen sind leistungsstarke Klubmannschaften aufzubauen. Unsere besten Klubmannschaften sollen das Niveau der besten Klubmannschaften der stärksten europäischen Eishockeyländer erreichen. Aus den besten Kräften dieser Klubmannschaften ist eine starke Nationalmannschaft zu formieren, die das Niveau der besten ausländischen
Eishockeynationamannschaften erreicht." (*)
Doch Ferdinand Kargers Sohn Reinhard dachte nicht an Diplomatie im Trainingsanzug, als er auf der neuen Bahn seinen Aufstieg begann. Er wollte Eishockey spielen. Kapitel zwei: Kompromiss Die nächsten Triumphe sollten kleinere sein, zuvor folgte ein Niederschlag. Als „Ferdl“ (den Spitznamen hat er vom Vater geerbt) im Herbst mit Auswahlkollegen in Crimmitschau trainierte, traf die Nachricht ein: Berlin hat es sich anders überlegt mit den Klubmannschaften und der Nationalmannschaft. Einerseits dauerte es den Sportdirigenten bei DTSB und ZK zu lange, bis die DDR Eishockey-Weltmächte nicht nur gelegentlich bezwingt, und andererseits: Hier gibt es, wenn überhaupt, nur eine Medaille mit viel Personal. Eisschnelläufer bringen viele Medaillen mit weniger Personal. Geben wir die Diplomaten-Trainingsanzüge lieber denen. Das hieß: Alle Zentren, außer Puck-Fan Mielkes Dynamo-Miniliga, wurden dichtgemacht. Für Karger stand die Frage: In Erfurt ohne Perspektive Amateur-Eishockey spielen oder weiter Leistungssport betreiben, aber in Weißwasser. Er ging in die Lausitz, holte vier DDR-Meistertitel und erlebte 1974 noch einmal eine A-WM. Ein Punkte fehlte damals am Klassenerhalt - ein Punkt, den die ostdeutschen Puckjäger auch gar nicht holen sollten. Der Aufstieg ein Jahr zuvor war manchem Eishockeyhasser (aus sportpolitischer Einsicht natürlich) peinlich genug. Als Reinhard Karger 1975 wieder in Erfurt war, wurde er schon sehnsüchtig erwartet. Einen wie ihn brauchten sie, die Amateure der BSG Optima. Bei der jährlichen DDR-Bestenermittlung wurde „Ferdl“ mehrfach zum besten Stürmer gewählt oder als erfolgreichster Skorer (was damals Sieger der Kanadischen Wertung hieß) gekrönt. Doch das Eishockeyspielen bei Optima, später bei HO Erfurt, war ein Überlebenskampf. Jeder Schlägerkauf war ein Kraftakt, regelmäßigen Spielbetrieb gab es (bis auf das dreitägige Bestenturnier) nicht, und jede Eiszeit musste buchstäblich erkämpft werden. An Nachwuchsmannschaften war nicht zu denken. Ferdl war jetzt Trainer - statt Hockeyspieler trainierte er allerdings Eisschnelläufer. Auch das tat er gern. Dabei war klar: Bei keinem anderen Übungsleiter hieß der Ausgleichssport so oft Eishockey wie bei Karger. So brachte er sogar den einen oder anderen Jugendlichen in die Eishockeysektion (freilich nur, wenn er keine eisschnelläuferische Perspektive hatte). Für die Ende der achtziger Jahre stark überalterte Mannschaft war das freilich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Richtige Nachwuchsmannschaften mussten her, und da kamen Wende und Mauerfall gerade noch im rechten Moment. Kapitel vier: Euphorie, die zweite
*) Zitiert aus: Direktive des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport zur Entwicklung der sozialistischen Körperkultur bis zum Jahre 1965 vom 1. Februar 1960. Fotos von oben nach unten: Reinhard Karger 1989 in einem Freundschaftsspiel gegen Aufbau Halle (dahinter Koßmann) • Reinhards Vater Ferdinand Karger in den 50er Jahren im Oberhofer Dress • Reinhard Karger bei der WM 1970 im Spiel gegen Finnland (links Valtonen, rechts Riihiranta) • Reinhard Karger und Lothar Fuchs auf der Bank der Mannschaft der BSG HO (bei einem Spiel in Vrchlabi/CSSR um 1985) • Beim Oldie-Turnier 2003 verwandelt Reinhard Karger einen Penalty gegen Dresden • Nach oben Nachtrag von 2005 Zehn Jahre später könnte man "Kapitel fünf: Unverwüstlich" nennen, denn Karger ist nicht nur bei den Alten Herren der "Turbine-Haudegen" am Puck geblieben, sondern auch wieder richtig in den Spielbetrieb eingestiegen. Mit 60 Jahren wurde er mit den "Ice Rebels Waltershausen" Meister der Thüringenliga sowie Landespokalsieger und trug mit vielen Toren zu diesen Erfolgen bei. |