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Matthias Opatz, Journalist und Pressebüro

Da half auch kein Brief an Erich

Zwei deutsche Wasserballmeister begegnen sich 25 Jahre nach einem Europapokal-Duell, das nie stattfand

Von Matthias Opatz
Ein Text vom August 1999

Thüringen ist nicht das, was man eine Wasserball-Hochburg nennen darf. Die Vereine kann man fast an einer Hand abzählen, und die Aktiven kennen sich seit Jahren. So ist es schon verwunderlich, dass sich dieser Tage am Rande eines Langstreckenschwimmens in Stotternheim bei ErfurtHorst Krüger (links), Frank Hesbacher mit Horst Krüger und Frank Hesbacher zwei Thüringer Seniorenschwimmer erstmals begegneten und feststellten, dass sie nicht nur schlechthin alte Wasserballer sind, sondern beide einst so etwas wie Stars waren. Mehr noch: Jeder der beiden wurde schon einmal um die mögliche Teilnahme an Olympischen Spielen bebracht. An verschiedenen Seiten des eisernen Vorhangs. Ein Stück deutsche Sportgeschichte.

Zu genau der Zeit, als ein Musiker namens Horst Krüger in Berlin (Ost) Hits wie die „Tagesreise” landete, landete ein Wasserballer namens Horst Krüger in Berlin (West) sportliche Erfolge. In den siebziger Jahren war er mit Spandau 04 dreimal Deutscher Meister und dreimal Europapokalsieger.

„Anfang der 70er Jahre hätten wir auch Spandau 04 geschlagen, wenn wir nur gedurft hätten”, behauptet kühn Krügers Stotternheimer Gegenüber Frank Hesbacher aus Ernstthal am Rennsteig. Der war damals Profi bei Dynamo Magdeburg. Und das wiederum war die DDR-Nationalmannschaft, nachdem Ende der 60er Jahre alle anderen Leistungszentrem aufgelöst worden waren, darunter der SC Leipzig, von wo Hesbacher nach Magdeburg gekommen war. Damals mussten auch andere Sportarten über die sportpolitische Klinge springen, wurden geschrumpft (wie Eishockey) oder von der Förderung ganz ausgeschlossen (Hockey, Basketball). „So viele Leute für vielleicht eine Medaille passte nicht in den Medaillenspiegel, da wurden Schwimmen oder Kanu oder Eisschnellauf, wo ein einziger sogar mehrere Medaillen holen kann, dagegen mehr gefördert.”

Internationale Medaillen waren ein wichtiges Instrument im Ringen der DDR um politische Anerkennung. Das mussten auch die Wasserballer bezahlen. „Nach dem Kahlschlag hatte uns der DDR-Schwimmverband ein Ultimatum gesetzt: Gewinnt die DDR in der Olympiavorbereitung 1972 die Länderspiele gegen Jugoslawien und die Sowjetunion, dürften wir nach München fahren. Wenn nicht, könnte es auch in Magdeburg mit der Förderung vorbei sein.” Die DDR-Auswahl alias Dynamo Magdeburg vollbrachte das Unmöglich scheinende: Sie schlugen sowohl Olympiasieger Jugoslawien als auch Europameister Sowjetunion. Insgesamt fünfmal. „Dann kam der Hammer. Wir durften trotzdem nicht fahren. Das wurde aber nicht im Schwimmverband, sondern in der Parteizentrale entschieden. Nachdem die Sowjets in München Olympiasieger geworden waren, haben wir an Erich Honecker geschrieben, um wenigstens bei der WM 1973 starten zu dürfen. Es nützte nichts. Vielleicht war das sogar der Anlass für das endgültige Aus.”

Hesbachers Magdeburger Freund Hans Malkowski setzte sich daraufhin in den Westen ab und spielte bei Spandau 04 einige Jahre an der Seite von Horst Krüger. Der seit neun Jahren im thüringischen Gera lebende Krüger erinnert sich aber noch an eine andere Sorte Ostkontakte: „Wir besorgten uns Tagesvisa für Ostberlin, gingen einzeln über die Grenze, fuhren dort in ein Schwimmbad und hielten deutsch-deutsche Wasserballvergleiche ab. Offiziell durfte davon keiner was wissen. Kurz vor Mitternacht kamen wir wie normale Touristen wieder nach Westberlin.”

War Magdeburg im Osten praktisch die Nationalmannschaft, war es Spandau 04 im Westen. Und bei den Spielen 1980 in Moskau wollte die BRD-Mannschaft Platz sechs von Montreal wiederholen oder gar verbessern. Der Olympiaboykott des Westens ließ den Olympiatraum platzen.

Seinen Jugendtraum, einmal Weltmeister zu werden, machte Frank Hesbacher etwas verspätet wahr. Im vorigen Jahr trat er mit seinen einstigen Leipziger Wasserballgefährten bei den Senioren-WM in Casablanca an - und wurde in der Altersklasse über 50 souverän Champion.

Was es im Fußball, Eishockey oder Handball schon gab, steht im Wasserball noch aus: ein deutsch-deutsches Traditionsspiel der Asse von einst. Offizielle Länderspiele gab es überhaupt nur drei. das erste gewann 1956 der Westen, die anderen beiden 1958 und 1967, die DDR. Was Hesbacher allerdings besonders schmerzt: Spandau 04 ist noch immer obenauf (Meister 99), den Standort Magdeburg sucht man in der 1. und 2. Bundesliga allerdings vergeblich. Der 24malige DDR-Meister ist in die Regionalliga abgestiegen.

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